Rheumatoide Arthritis
Untersuchungen & Diagnose
Als Faustregel gilt: Eine rheumatoide Arthritis liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit vor, wenn
- Ein Patient mehr als 2 geschwollene Gelenke hat
- Die Fingergrundgelenke und die Zehengrundgelenke auf leichten Druck schmerzempfindlich reagieren
- Die Gelenke morgens länger als 30 Minuten steif bleiben (Morgensteifigkeit)
In der Regel fragen Patienten mit Gelenkerkrankungen zuerst ihren Hausarzt um Rat. Für den behandelnden Arzt ist es besonders schwierig, eine rheumatoide Arthritis bereits kurz nach Krankheitsbeginn zu erkennen, da verschiedene Erkrankungen ähnliche Krankheitszeichen aufweisen. Um eine rheumatoide Arthritis von anderen Gelenkerkrankungen unterscheiden zu können, wird dieser das Krankheitsbild und die Krankengeschichte (Anamnese) untersuchen.
Wichtige Informationen aus der Krankheitsgeschiche sind für den Arzt:
- Kommen bei anderen Familienmitglieder Erkrankungen des Bewegungsapparates vor?
- Wann traten zum ersten Mal Gelenkschwellungen auf?
- Welche Gelenke sind betroffen? Wandert die Erkrankung von Gelenk zu Gelenk?
- Schreitet die Erkrankung schnell oder langsam voran?
- Beeinflussen Wärme, Kälte, Bewegungen oder Belastungen die Schmerzen?
- Ändern sich die Schmerzen während des Tages (Nacht-, Morgen-, Dauerschmerz)?
- Gab es besondere Begleitumstände zu Beginn der Erkrankung, z. B. Infektionen, Durchfall, andere Erkrankungen? Sind gleichzeitig andere Symptome aufgetreten (Kopfschmerz, Fieber)?
Darüber hinaus muss der behandelnde Arzt verschiedene Untersuchungen vornehmen, um den Verdacht auf rheumatoide Arthritis bestätigen zu können. Sie sollten von einem erfahrenen Facharzt, in der Regel einem internistischen Rheumatologen, durchgeführt werden. Zusammen erlauben die Ergebnisse von Blutuntersuchungen und bildgebenden Verfahren eine sichere Diagnose bereits im Frühstadium der Erkrankung.
Laboruntersuchungen
Deuten Gelenkschwellung und Gelenkschmerzen auf eine rheumatoide Arthritis hin, kann der Arzt verschiedene Blutwerte des Patienten untersuchen, die ihm weitere Hinweise geben, ob eine Arthritis vorliegt. Jeder Blutwert ist für sich ist allerdings nicht sehr aussagekräftig, erst die Kombination aller Krankheitszeichen ermöglicht dem Arzt eine sichere Diagnose.
Erhöhte Werte für die so genannte Blutsenkungsgeschwindigkeit oder das Entzündungseiweiß C-reaktives Protein (CRP) deuten darauf hin, dass im Körper des Patienten eine Entzündung vorliegt. So kann der Rheumatologe auch eine rheumatoide Arthritis von einer Arthrose unterscheiden, denn diese Verschleißerkrankung verursacht zwar oft ähnliche Beschwerden, löst aber fast nie eine Entzündung im Blut aus. Diese Werte sind jedoch nicht eindeutig, da auch andere entzündliche Erkrankungen die Blutsenkung erhöhen können und 10-30% der Patienten mit rheumatoider Arthritis zu Beginn der Erkrankung keine erhöhten laborchemischen Entzündungswerte aufweisen.
Ein weiterer wichtiger Blutwert sind die so genannten Rheumafaktoren. Der Begriff Rheumafaktor ist irreführend, da nur 65-80% der Rheuma-Patienten auch tatsächlich diesen Faktor im Blut haben (seropositiv). Viele Arthritis-Patienten weisen also keinen erhöhten Rheumafaktor auf (seronegativ). Außerdem ist er bei älteren Menschen oder Patienten mit anderen Erkrankungen erhöht, obwohl sie keine rheumatoide Arthritis haben: 15% der älteren Bevölkerung und über 50% der Hepatitis-Patienten haben Rheumafaktoren im Blut.
Ein etwas verlässlicherer Blutwert sind Antikörper gegen das so genannte zyklische citrullinierte Peptid (CCP-Antikörper). Diese Eiweiße kommen ebenfalls bei 60-85% der Patienten mit rheumatoider Arthritis vor. Sie können zum Teil schon vor dem eigentlichen Ausbruch der Erkrankung im Blut nachgewiesen werden. Im Gegensatz zum Rheumafaktor sind sie bei anderen Erkrankungen sehr selten erhöht. Ist ein Bluttest für diese Antikörper positiv, liegt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit (95%) eine rheumatoide Arthritis vor.
Darüber hinaus kann der Rheumatologe weitere Blutwerte untersuchen um zu entscheiden, ob eine rheumatoide Arthritis oder eine andere Erkrankung vorliegt:
- Antinukleäre-Antikörper: Antikörper, die gegen die Zellkerne gerichtet sind. Sie sind bei etwa 10% der Patienten mit rheumatoider Arthritis nachweisbar. Bei Patienten mit Systemischem Lupus erythematodes sind Antinukleäre-Antikörper regelmäßig messbar (Lupus erythematodes).
- Anti-Desoxyribonukleinsäure-Antikörper: weisen auf Systemischen Lupus erythematodes hin
- Antineutrophilen-Cytoplasma-Antikörper: Deutet auf rheumatische Erkrankungen der Blutgefäße (Vaskulitis)
- HLA-B27:Kann ein Hinweis auf entzündliche Wirbelsäulenerkrankungen (z. B. Morbus Bechterew) sein
- Harnsäure: Gicht
- Erreger-Nachweis: Hat der behandelnde Arzt den Verdacht, dass die Gelenkentzündung durch Bakterien oder Viren ausgelöst wurde, kann er gezielt nach den Erregern suchen.
Bildgebende Verfahren
Verschiedene bildgebende Verfahren ermöglichen dem Rheumatologen darüber hinaus, den Zustand der Gelenke zu beurteilen. Eine wichtige Technik ist die Gelenkuntersuchung mittels Ultraschall, die so genannte Gelenksonografie. Damit kann der Arzt Flüssigkeitsansammlungen in größeren Gelenken sowie Gelenkentzündungen in kleinen Gelenken erkennen, die von außen unter Umständen nicht sichtbar sind. Auch Knochenschäden und Gelenkzerstörungen (z. B. an den Finger- und Zehengelenken) kommen so zum Vorschein. Sehnenscheidenentzündungen und Sehneneinrisse können ebenso erkannt werden wie Schleimbeutelentzündungen oder auch Kalkablagerungen im Weichteilgewebe oder in den Gelenken.
Röntgenaufnahmen von Händen und Füßen machen Gelenkzerstörungen sehr gut sichtbar: Entkalkung der Gelenkknochen sind sehr früh im Krankheitsverlauf zu finden. Gelenkspaltverschmälerung und Knochenschädigungen kann der Arzt allerdings erst im fortgeschritteneren Stadium einer rheumatoiden Arthritis erkennen: Oft erscheinen die ersten Veränderungen frühestens nach 6-12 Monaten. Trotzdem gehören Röntgenaufnahmen zu den wichtigsten Untersuchungen, vor allem auch um den Verlauf der Erkrankung und den Erfolg einer Behandlung mit Medikamenten zu kontrollieren.
Eine Technik, die sich seit ein paar Jahren langsam zur Standardmethode für die Früherkennung der rheumatoiden Arthritis entwickelt, ist die Kernspin- oder Magnetresonanztomografie. Sie zeigt Veränderungen im Gelenk bereits im Frühstadium der Erkrankung. Mit der Kernspintomografie können der Radiologe und Rheumatologe sowohl das Weichteilgewebe als auch den Knochen strahlenfrei sehr gut beurteilen. Knochenschädigungen lassen sich Monate bis Jahre vorher erkennen, bevor sie mit Röntgenaufnahmen sichtbar werden.
Die Gelenkszintigrafie wird bei Patienten eingesetzt, bei denen die übrigen Untersuchungen kein klares Bild ergeben haben. Außerdem zeigt sie, welche Gelenke betroffen sind. Sie ist jedoch teuer und belastet den Patienten mit radioaktiver Strahlung und wird deshalb heute eher selten eingesetzt.


